Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

Am 05. Mai 2021 ist der "Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung". 

viele Menschen mit Behinderung stoßen im Alltag auf die unterschiedlichsten Barrieren.
Wir Berater und Beraterinnen der EUTB im Kreis Recklinghausen möchten den
Europäischen Protesttag zur Gleichstellung für Menschen mit Behinderung dafür nutzen,
Ihnen einige Menschen vorzustellen, die trotz der Barrieren, die ihnen immer wieder im Alltag
begegnen, stemmen. Außerdem gibt es Informationen, wo Menschen mit Behinderung
Unterstützung erhalten bzw. sich selbst engagieren können, um ihre Situation zu verbessern.

Wir haben dazu verschiedene Beiträge, u.a. kleine Interviews erstellt, welche Sie auch auf unsere Facebook-Seite "EUTB Kreis Recklinghausen" finden können. https://www.facebook.com/pages/category/Social-Service/EUTB-Kreis-Recklinghausen-102649604914257/ 

 

Donnerstag 06.05.2021

Zum Abschluss hat sich unsere Beraterin Frau Kemper mit der Behindertenbeauftragten der Stadt Recklinghausen getroffen und zum Protesttag der Gleichstellung von Menschen mit Behinderung zum Thema Inklusion interviewt. Unter folgendem Link können sie sich das Video dazu anschauen.

https://www.facebook.com/pages/category/Social-Service/EUTB-Kreis-Recklinghausen-102649604914257/ 

 

 

Mittwoch 05.05.2021

Heute möchte sich Jenny Vorstellen, die uns, in einem Interview mit unserer Beraterin Frau Marina Gorke, von ihren Erfahrungen mit Barrieren berichten möchte.  

 

 

 

 

 

Dienstag 04.05.2021

Weiter geht es heute mit einem Podcast von Herrn Peter Leidig der sich im Rahmen des Protesttages zur Gleichstellung am 5.Mai mit einer von Barrieren betroffenen Frau getroffen und sie nach ihren Erfahrungen gefragt hat.

Unter folgendem Link auf unsere Facebook-Seite können sie sich den Podcast anhören. Viel Spaß dabei. 

https://www.facebook.com/pages/category/Social-Service/EUTB-Kreis-Recklinghausen-102649604914257/ 

 

 

 

Montag 03.05.2021

Anfangen wollen wir heute mit einem Interview von Herrn Nils Bludau (Teilhabeberater aus dem Kreis Recklinghausen)

Das Thema Inklusion wird vielerorts diskutiert und beschäftigt viele Menschen. Wir möchten von ihnen erfahren welchen Barrieren sie sich jeden Tag stellen müssen und wie sie damit zurechtkommen. Ich habe zwei Menschen zu dem Thema Gleichstellung und Inklusion befragt, die eine körperliche Beeinträchtigung haben im Rollstuhl sitzen und in vielen Bereichen des Alltags auf Unterstützung angewiesen sind. Eine Person hat eine inkomplette Querschnittslähmung die andere Person hat Multiple Sklerose. Insgesamt fühlen sich beide recht selbstständig, da sie viel organisieren müssen, damit ihr Alltag auch funktionieren kann. Trotzdem können immer wieder einige unvorhergesehene Dinge passieren, die den geplanten Ablauf durcheinanderbringen. Aber damit haben sie gelernt umzugehen.

 

Auf welche Barrieren trefft ihr?

A: „Im Alltag sind es meist nur Sachen auf die ich leider kein Einfluss habe, wie z.B. das Wetter, voreingenommene unwissende Menschen, kaputte Hilfsmittel oder nicht behindertenfreundliche Örtlichkeiten.“

B: „Sowohl in meinem Privat- als auch in meinem Berufsleben treffe ich neben baulichen Barrieren, etwa die Zugänglichkeit von Gebäuden vor allem auf soziale, einstellungsbedingte Barrieren, also etwa Vorurteile oder Ängste und kommunikative Barrieren.“

Was behindert euch bei der Arbeit?

A: „Bei der Arbeit selbst behindert mich recht wenig, wenn man als Rollstuhlfahrer erstmal eine Arbeit hat und die auf einen selbst gut konzipiert ist, läuft das eigentlich wie bei jedem anderen Menschen auch. Arbeit finden, finde ich als behinderter viel Problematischer als selbst zu arbeiten, da es leider immer noch bei vielen Menschen Vorurteile gibt zwischen Arbeit und Behinderung.“

B: „Genau die gerade genannten Barrieren. Beispielsweise auf der Arbeit eine Küche, die für mich mit meinem Rollstuhl nicht zugänglich ist. Schließlich freue ich mich auch auf einen Kaffee am Morgen, den ich mir selber zubereitet habe. Oder über mein Frühstücksbrot, welches ich mir selber geschmiert habe. Es behindern mich bei meiner Arbeit Ordner, die oben im Regal stehen oder die so schwer sind, dass ich sie nicht tragen kann. Doch am meisten behindern mich bei meiner Arbeit Kollegen und Gesprächspartner, die mich und meine Leistung nicht erst nehmen. Mich und meine Tätigkeit unterschätzen. Und meinen Fähigkeiten und Fertigkeiten trotz meiner Behinderung keine Chance geben. Ich habe immer das Gefühl die Leute von mir und dem was in mir steckt überzeugen zu müssen, was bei jedem „normalen“ Menschen immer schon vorausgesetzt wird.“

 

Was gibt es für Hilfen?

A: „Beratungsstellen und das digitale Netz sind oftmals eine große Hilfe beim Sammeln von Informationen oder Beantwortung von Fragen.“

B: Diese Angebote habe ich bereits in Anspruch genommen und sind für mich sehr entscheidend:“

im privaten Bereich                                                                                                          im beruflichen Bereich

- Hilfsmittel (Rollstuhl, Duschstuhl, Pflegebett)                                                                   - Vermittlung von Arbeitsplätzen

- umgebautes Fahrzeug mit behinderungsbedingter Zusatzausstattung                                 - behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung

- Haushaltshilfe                                                                                                                - Arbeitsassistenz

- Kuraufenthalt                                                                                                                 - Betriebliches Eingliederungsmanagement

- gute ärztliche Versorgung

„Meine größten Hilfen jedoch sind in erster Linie mein Mann, meine Familie, Freunde und gute Arbeitskollegen.“

 

Wer kann euch helfen?

A: „Am meisten ich mir selber, indem ich schaue was ich brauche und wo ich es bekomme. Es wäre natürlich schön, wenn man noch mehr Begleitung hätte als nur das enge Umfeld.“

B: „An folgende Stellen habe ich mich bereits gewandt:“

- Krankenkasse                                                                     - Fachärzte

- Pflegekasse                                                                        - Agentur für Arbeit

- Deutsche Rentenversicherung Bund                                      - Integrationsfachdienst

 

Wie geht Ihr mit Barrieren um?

A: „Im Alltag versuche ich mir oftmals selbst zu helfen, oder im Zweifel, wenn ich merke es geht für mich nicht oder ich schaffe das nicht, lasse ich dies erstmal sein und überlege mir eine andere Lösung oder bitte andere darum, dies für mich zu erledigen oder suche gemeinsam mit anderen nach einer adäquaten Lösung für das Problem.“

B: „Bauliche Barrieren muss ich leider oftmals so hinnehmen, wie sie sind. Jedoch bin ich so gezwungen auf vieles zu verzichten. Ob Einkaufen, Kino, Theater, Disco oder Urlaubsziele. Ich musste erfinderisch werden. Locations aufsuchen, die rollstuhlgerecht sind mit behindertengerechten Sanitäranlagen. Das ist oftmals gar nicht so leicht. Im Netz und vielen Chats geben Gleichgesinnte gute Tipps, man kann sich austauschen, Reiseführer sind zu finden u.v.m. Jedoch kostet jede Art von Unternehmung oftmals vorab viel Information sowie Organisation und vor Ort noch mehr Nerven, wenn es dann doch nicht so barrierefrei ist, wie beschrieben. Zwar muss ich manches Mal auch menschliche Barrieren hinnehmen, wie Vorurteile oder eine befremdliche Kommunikation. Aber da kann ich selber gegensteuern, indem ich mit Gesprächen auf Augenhöhe versuche Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Ich kann mich bemühen Leuten, die beispielsweise Berührungsängste haben, näher zu kommen indem ich Ihnen zeige, wie sie mit mir umgehen dürfen/sollen oder wie sie mir helfen können.“

 

Was wünschst ihr euch von der EUTB?

A: „Mehr Informationen über Möglichkeiten, die ich vielleicht noch nicht kenne oder wusste, dass es die überhaupt für mich gibt. Damit ich alle Dinge ausschöpfen kann, die mir Helfen das Leben zu erleichtern.“

B: „Ich wünsche mir Hilfestellungen bei der Beantragung von Leistungen, in den Bereichen die ich nicht selber erledigen kann und Aufklärung über einzelne Themen, die mit meiner Beeinträchtigung zu tun haben.“

 

Welche Wünsche/Ideen/Erwartungen habt ihr für/an die Gesellschaft?

A: „Die Gesellschafft sollte mehr auf die Bedürfnisse und Belange ihre Mitmenschen achten und sich gegenseitig unterstützen, das wäre mein Wunsch. Und grade für Minderheiten sollten Ängste und Vorurteile noch mehr abgebaut werden, damit jeder sein Leben nach seinen Möglichkeiten und Vorstellungen Leben kann.“

B: „Wir sollten dahin kommen, dass es gar keine baulichen Barrieren mehr gibt. Dass jedes Lokal stufenlos zu erreichen ist und über ein behindertengerechtes WC verfügt. Jedes Theater oder Kino mit einem Aufzug ausgestattet ist, neben den passenden Sanitäranlagen. Dass Menschen mit Behinderungen die Attraktionen auf der Kirmes oder im Freizeitpark nutzen können. Jedes Schwimmbad mit einem Lift bestückt ist, um ins Wasser zu gelangen. Breite Gänge in Supermärkten sowie große Umkleidekabinen in Modegeschäften……Für das persönliche Miteinander, wünsche ich mir einen respektvolleren Umgang. Jeder guckt gerne mal irgendwo hin oder irgendjemand an, weil es oder er anders ist. Das kenne ich selbst auch. Doch zwischen Gucken und Starren ist ein großer Unterschied. Auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. Nur weil ich im Rollstuhl sitze, jemand nur einen Arm hat oder blind ist, heißt es nicht, dass man nicht gebildet, höflich und freundlich ist. Ich würde mir wünschen, dass die Leute mehr Mut fassen, mich anzusprechen, mir Ihre Hilfe anzubieten oder mir einfach nur ein Lächeln schenken.  Super wäre, wenn die Gesellschaft einen Blick für die Barrierefreiheit bekommt. Ein guter Selbsttest als gesunder gehfähiger Mensch ist es, einen Tag in einem Rollstuhl zu verbringen und die alltäglichen Dinge auszuprobieren. Nicht um zu zeigen, wie es sich anfühlt im Rollstuhl zu sitzen und welche Probleme das mit sich bringen kann. Nein! Sondern um die Sicht durch „unsere“ Brille zu erweitern.“

 

Vielen Dank für das nette Gespräch und die vielen Eindrücke die ihr uns gegeben habt.

Interviewt wurden die Personen von

Nils Bludau

Teilhabeberater der EUTB Kreis Recklinghausen.